Wirtschaftsjurist (FH)
Wirtschaftsjuristen und -juristinnen (FH) können aufgrund ihrer juristisch-betriebswirtschaftlichen Doppelqualifikation in sehr unterschiedlichen Bereichen tätig werden. Nachfolgend ein Überblick über den Beruf des Wirtschaftsjuristen.
Der Studiengang Wirtschaftsrecht wird hauptsächlich an
Fachhhochschulen angeboten, die eine abgespeckte rechtliche
Ausbildung im Vergleich zum Volljuristen an Universitäten
anbieten. Diplomierte Wirtschaftsjuristen verfügen nicht über
die Befähigung zum Richteramt und schließen meist nach dem
Bachelor-Master-System ab. Seit dem Wintersemester 2005/06
werden im Rahmen des Bologna-Prozesses fast ausschließlich
Studiengänge zum Bachelor of Laws (LL.B.) oder zum Bachelor of
Business Law (BBL) angeboten.
Wirtschaftsjuristen (FH) haben sowohl einen Überblick über das
Wirtschaftsrecht als auch wirtschaftliche (BWL und VWL)
Fragestellungen, allerdings nicht in der Breite und Tiefe der
Universität. Zwar reichen die Kenntnisse nicht an
Diplom-Juristen/VWLer/BWLer heran, sie bilden jedoch eine
Schnittmenge daraus. Diese kann im Hauptstuidum vertieft
werden, z.B. in den Bereichen Personal und Arbeit, Steuer- und
Wirtschaftsprüfung, Finanzdienstleistungsrecht,
Unternehmensführung, Sanierungs- und Insolvenzmanagement oder
Internationales Management.
Weitere Fächer und Disziplinen während des Studiums sind
u.a.:
- Arbeits- und Sozialrecht
- Englische Wirtschafts- und Rechtssprache
- Finanzmanagement
- Gesellschaftsrecht
- Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre
- Grundlagen der Volkswirtschaftslehre
- Kommunikation und Rhetorik
- Logistik und Marketing
- Personalmanagement
- Rechnungswesen und Controlling
- Steuerrecht
- Wettbewerbsrecht
- Wirtschaftsinformatik
- Wirtschaftsprivatrecht und Zivilprozessrecht
- Wirtschaftsstrafrecht / Insolvenzrecht
- Wirtschaftsverfassungsrecht
- Wirtschaftsverwaltungsrecht
- zusätzliche Fremdsprachen
Wirtschaftsjuristen in der Praxis
Diplom-Wirtschaftsjuristen und -juristinnen (FH) beraten
Wirtschaftsunternehmen und -verbände auf allen Rechtsgebieten
und wirken bei der rechtlichen Gestaltung von Planungs- und
Entscheidungsprozessen mit.
Im Management von Unternehmen übernehmen sie überwachende,
koordinierende und organisatorische Aufgaben, um die
Unternehmensleitung bei deren Aufgabenabwicklung zu
entlasten.
Im Personalwesen wirken sie in der rechtlichen
Ausgestaltung von Arbeitsverträgen, Arbeitsbedingungen und
Betriebsvereinbarungen mit. Ferner übernehmen sie
verantwortliche Aufgaben in der Personalverwaltung, -planung,
-beschaffung, -entwicklung und Entgeltabrechnung.
Sie beraten Unternehmen in Steuer- und Steuerrechtsfragen
und sind für die Ordnungsmäßigkeit von Buchführungen, Bilanzen
und Jahresabschlüssen verantwortlich.
Als Unternehmens- oder Personalberater/innen betreuen sie
Mandanten aus Wirtschaft und Verwaltung in
betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Fragen sowie bei der
Suche nach geeigneten Fach- und Führungskräften.
Im Kreditgewerbe befassen sie sich mit Bearbeitung,
Sanierung und Abwicklung von Krediten oder übernehmen Aufgaben
in der Firmen- und Privatkundenbetreuung.
Bei Versicherungen regulieren sie Schadensfälle und
beschäftigen sich mit der Gestaltung von
Versicherungsverträgen und -tarifen. Alternativ übernehmen sie
verantwortliche Positionen im Versicherungsaußendienst.
Diplom-Wirtschaftsjuristen/-juristinnen (FH) arbeiten in
Industrie- und Handelsunternehmen, Banken, Versicherungen,
Immobilienunternehmen, Steuerberatungs- und
Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie bei Unternehmens- und
Personalberatungen. Dort sind sie entweder in Büros oder bei
Kunden und Mandanten tätig.
(Bundesagentur für Arbeit)
Vergleich zum Studium der Rechtswissenschaft an der
Universität
Der Studiengang Wirtschaftsrecht ein auf die Belange der
Wirtschaft zugeschnittene juristische Ausbildung ohne hohe
wissenschaftliche Ansprüche. Absolventen sollen damit in der
Wirtschaft Arbeit finden können, sind aber für Karrieren im
öffentlichen Dienst, als Richter und Wirtschaftsanwalt nicht
qualifiziert. Im Studiengang Wirtschaftsrecht erfolgt in den
juristischen Themen eine enge Auswahl auf die Grundlagen der
wirtschaftlich relevanten Bereiche. Die
Spezialisierungsmöglichkeiten sind meist geringer, der
Abschluss leichter und schneller.
Für Abiturienten dürfte zu überlegen sein, dass z.B. eine
volle juristische Qualifizierung mit Zusatzqualifikationen aus
den Wirtschaftswissenschaften bessere Chancen auf dem
Arbeitsmarkt bieten. Hier bietet sich neben dem Doppelstudium
z.B. das Studieren bis zum Grundstudium oder der
Zwischenprüfung an. Ein Aufbaustudiengang wie der MBA oder LLM
verschafft zudem Auslandserfahrung und die notwendigen Soft
Skills.